Jeden Monat wird hier ein anderes, besonderes Objekt aus der Depotsammlung gezeigt. Es lädt dazu ein, mehr über die ländliche Kulturgeschichte der Region und den Alltag der bäuerlichen Bevölkerung zu erfahren.
Ab 19. März 2026 können Sie im Blaserhof sich das Objekt des Monats auch im Original anschauen! Dann sind wir aus unserer Winterpause zurück.
2026
Sterilisierbehälter mit Spiritusbrenner, 6-teilig, Inv.-Nr.: 2025/0033. a-f
Herkunft: Eggmannsried, Datierung: Mitte 20. Jahrhundert
Der Sterilisierbehälter mit Spiritusbrenner wurde kürzlich als Teil einer Hebammenausstattung in die Sammlung des Museums aufgenommen. Mit diesem Gerät wurden medizinische Instrumente durch heißen Dampf keimfrei gemacht. Dazu wurde der Spiritusbrenner unter dem stehenden Behälter angezündet; das erhitzte Wasser siedete und erzeugte heißen Dampf, der die Instrumente im gelochten Einsatz sterilisierte. Der Behälter war für Hausbesuche gedacht; er ließ sich sicher transportieren und ermöglichte hygienisches Arbeiten.
Die Gegenstände gehörten Babette Merk, die etwa von 1920 bis 1960 als Hebamme auf dem Land, im Raum Unterschwarzach / Eggmannsried, tätig war. Vermutlich stand sie mit dem Arzt Dr. Härle in Bad Waldsee in Verbindung. Die Familie Merk wohnte in Eggmannsried auf einem Bauernhof und bewirtschaftete diesen bis etwa 1970. Die Gegenstände veranschaulichen die mobile Versorgung von Frauen auf dem Land im Landkreis Ravensburg in der Mitte des 20. Jahrhunderts.
2025
Glaskästchen mit Jesuskind, Inv.-Nr.: 2009/10
Herkunft: Gemeinde Achberg, Datierung: 19. Jahrhundert
Das Andachtskästchen mit einem Jesuskind stammt von einem Hof in der Nähe von Schloss Achberg. Vermutlich war es dort vor etwa 150 Jahren der Mittelpunkt der weihnachtlichen Stube. Das Jesuskind liegt in der Krippe in der Mitte des Kästchens, unter einem prächtigen Baldachin. Die Krippe und der Baldachin sind aufwändig gearbeitet und reich verziert.
Es handelt sich um eine Klosterarbeit, gefertigt von Schwestern. Solche Objekte wurden in Frauenklöstern zur Weihnachtszeit häufig hergestellt.
Das Kästchen ist aus einfachen Materialien gefertigt: Glas, Pappe, filigran geschnittenes und gelegtes Papier, Stoff, Wachs sowie Filz. Die Papierornamente sind zu üppigen, floralen Mustern arrangiert und füllen fast das gesamte Kästchen aus. Das Objekt gilt als Zeugnis volkstümlicher Frömmigkeit früherer Zeiten.
Haarbild zum Totengedenken, Inv.-Nr.: 1984/1163
Herkunft: unbekannt, Datierung: Ende 19. Jahrhundert
Vor einer gemalten Landschaft erhebt sich in der Mitte des Bildes eine Insel mit einem Grabstein. Eine junge Trauerweide umfängt das Totendenkmal. Dabei handelt es sich um ein Erinnerungsbild in Haarklebetechnik für den verstorbenen K. Rist.
Die Insel, der Sockel und Aufbau des Grabsteins mit Kreuzaufsatz sowie die Pflanzen sind aus geschnittenen und geklebten Haaren des Verstorbenen gefertigt. Als Untergrund dient eine Glasscheibe, auf der die gestreuten und gelegten Haare mit Leim befestigt wurden. So entstehen feine Formen und Schattierungen.
Haarbilder sind einzigartige Handarbeiten, die im 18. und 19. Jahrhundert ein Medium des Erinnerns waren. Die Haare eines geliebten Menschen galten als wahrhaftige Erinnerungsträger. Es war das bevorzugte Material, um persönliche Verbindungen sichtbar zu machen und zu bewahren.
Geschirr-Service (in Teilen), Inv.-Nr.: 2024/0002. 1-23
Herkunft: Neubaumgarten (Gemeinde Berg), Datierung: 1940er-Jahre des 20. Jh.
Spielzeuggeschirr-Service, Inv.-Nr.: 2024/0030. a-c
Herkunft: Rupprechts (Bad Wurzach), Datierung: 1920er/1930er-Jahre des 20. Jh.
Das Geschirr-Service (23-teilig) wurde in der Porzellanmanufaktur Jakob Hertel in Rehau (Bayern) hergestellt. Es gehörte zur Aussteuer einer Braut, die von einem Bauernhof in Berg stammte. Die Familie hatte zehn Kinder und war nicht sehr wohlhabend. Das Geschirr wurde von der Besitzerin liebevoll gepflegt und nur an Festtagen benutzt.
Daneben steht Miniatur-Geschirr, Spielzeug aus den 1920er/1930er-Jahren. Es gehörte einem Kind, das 1920 geboren wurde. Die Familie hatte insgesamt 12 Kinder und lebte in einem kleinen Bauernhaus in Rupprechts. Die Eltern arbeiteten bei den großen Bauern und die Kinder mussten sehr früh mithelfen. Das Spielzeug zeigt, wie Kinder das Erwachsenenleben nachspielten.
Beide Objekte zusammen erzählen vom bäuerlichen Leben der Region: vom Wert bestimmter Dinge, von Tradition und Spiel auf dem Land.
Haarschneidemaschine Inv.-Nr.: 2025/0018. a-c Herkunft: Einödhof Oflings (Wangen im Allgäu) Datierung: Jahrhundertwende 19./20. Jh.
Eine solche manuelle Haarschneidemaschine war ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Friseurtechnik. Als Vorläufer der elektrischen Haarschneidemaschine wurde die erste Maschine 1880 erfunden und erleichterte das Schneiden von Kurzhaarschnitten.
Mit zwei ergonomischen Griffen lag das Gerät bequem in der rechten Hand. Eine spezielle Schutzkappe trug zum Erhalt der Klingen bei und verringerte die Verletzungsgefahr beim Hantieren mit dem Gerät. Der Name „Pränafa Solingen“ auf dem Griff verrät den Hersteller.
Diese Maschine ermöglichte es auch Laien, Haare an den Seiten und am Hinterkopf gleichmäßig zu kürzen, ohne besondere Fertigkeiten in der Scherenschnitttechnik zu besitzen. Dies sparte Zeit und vereinfachte das Haareschneiden auf dem Einödhof in Oflings, woher das Objekt stammt.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde diese manuelle Version schließlich von der elektrischen Haarschneidemaschine abgelöst.
Spielzeug – Ziehtier Inv.-Nr.: 2012/34 Herkunft: unbekannt Datierung: 1. Hälfte 20. Jahrhundert
Ziehtiere als Spielzeug haben sich bis heute vereinzelt erhalten. Diese Kuh wurde vor ungefähr 100 Jahren gemacht. Sie besteht aus Stroh, Stoff und Metall. Im Inneren der Kuh befindet sich eine Vorrichtung zum Abspielen von Geräuschen. Man konnte sie mit einer Schnur aufziehen. Dann machte die Kuh ein Geräusch, das vermutlich wie „Muh“ klang.
Aus heutiger Sicht ist die Kindheit unmittelbar mit Spielen und Spielzeug verbunden. Vor ungefähr 100 Jahren spielten Kinder auf den Bauernhöfen deutlich weniger. Stattdessen mussten sie oft viel auf dem Hof mitarbeiten. Bauernkinder besaßen Spielzeug nur in Ausnahmefällen. Oft war es selbstgemacht aus Holz und man bekam es zu bedeutsamen Festen geschenkt oder von früheren Generationen „vererbt“. Wenn das Spielzeug gänzlich abgenutzt war, wurde es oft entsorgt. Deswegen haben sich im Laufe der Zeit nur wenige historische Spielgeräte des bäuerlichen Umfelds erhalten.
Kastenbild Inv.-Nr.: 2023/1 Herkunft: Schwarzenbach (Meckenbeuren-Untereschach) Datierung: 1899
Das Kastenbild dokumentiert die Vermählung von Anton und Barbara Heilig, die zur vorletzten Jahrhundertwende als wohlhabende Bauern auf einem großen Hof lebten. In einer Zeit, als Fotografie noch nicht alltäglich war, dienten solche Erinnerungskästen dazu, bedeutsame Lebensereignisse visuell festzuhalten. Das Kastenbild hat einen massiven Holzrahmen im historistischen Stil. Es enthält den Brautkranz und den Ansteckschmuck der Brautleute, umgeben von dekorativen Elementen. Für die Gestaltung des Schmucks wurden Materialien wie Textilien, Wachs und Metall verwendet. In der dekorativ drapierten Zusammenstellung zeigt der Kasten den Hochzeitstag auf greifbare, dreidimensionale Weise. Er ergänzte oder ersetzte die damals noch seltenen und teuren Fotografien. Das Objekt gibt Einblick in die Hochzeitsbräuche und Erinnerungskultur jener Zeit. Zugleich dient es als Zeugnis des kirchlich-christlichen Lebensweges des Paares und als wichtiges Dokument der damaligen materiellen Kultur.
Nähmaschine mit Handkurbel Inv.-Nr.: 2023/49 Herkunft: Wilhelmsdorf Datierung: Jahrhundertwende 19./20. Jh.
Diese prachtvolle Winselmann-Nähmaschine ist nicht nur ein ästhetisches Schmuckstück, sondern war ein äußerst nützliches Werkzeug im bäuerlichen Haushalt vor über 100 Jahren. Als Handkurbelmodell repräsentiert sie eine Zeit, in der Nähen noch eine wesentliche häusliche Fertigkeit darstellte und zum täglichen Leben gehörte. Für ihre Zeit boten diese Nähmaschinen innovative Technik und ermöglichten es den Frauen, effizient Kleidung anzufertigen, auszubessern und anzupassen. Solche Nähmaschinen verkörpern die zentrale Bedeutung der häuslichen Näharbeit in einer Ära, als Massenproduktion noch nicht üblich war. Die kunstvollen Perlmutteinlagen und die glänzende Japanlackierung unterstreichen die Doppelfunktion dieser Geräte als Arbeitsutensil und repräsentatives Einrichtungsstück im Wohnbereich. Sie vereint praktische Notwendigkeit mit ästhetischem Anspruch und ist ein faszinierendes Zeugnis sowohl der deutschen Nähmaschinentradition als auch der Haushaltsführung vergangener Tage.
Haspel mit Zählwerk Inv.-Nr.: 2009/2 Herkunft: Adrazhofen bei Leutkirch im Allgäu Datierung: vermutl. Mitte/Ende 19. Jahrhundert
Um das Flachsgarn nach dem Spinnen zu Strängen aufzuwickeln, kam die (oder der) Haspel zum Einsatz. Das war wichtig, um die weitere Verarbeitung des Garns (Waschen, Bleichen, Färben) zu ermöglichen. Mit Hilfe der seitlichen Handkurbel konnte das Garn von der Spule auf die „Arme“ der Haspel aufgewickelt werden. Das Zählwerk an der Seite machte es möglich, dass ein Strang gemessen werden konnte und somit aus einer festgelegten Garnmenge bestand. Wenn die Garnfäden beim Haspeln durcheinandergerieten oder von der Haspel rutschten, hatte man sich „verhaspelt“.
Karfreitagsratsche (sog. Rombelskasten) Inv.-Nr. 1986/579 Herkunft: Allgäu
Wie die Bezeichnungen dieser Lärminstrumente erahnen lassen, kamen Karfreitagsklappern oder -ratschen kurz vor Ostern zum Einsatz. Von Gründonnerstag bis Karsamstagabend* machten organisierte (Kinder-) Gruppen mit ihren oft selbstgefertigten oder vom Dorfschreiner hergestellten Klappern ordentlich Lärm – als Ersatz für das Glockenläuten. Der Lärm in Kombination mit gesungenen oder gesprochenen Reimen sollte die Menschen zur Andacht auffordern. Die Tradition des sogenannten ‚Karklapperns‘ hat sich bis heute in einigen katholisch geprägten Orten erhalten. In Österreich gehört das sogenannte ‚Ratschen‘ zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.
* Es ist ein liturgischer Brauch, dass die Kirchenglocken in dieser Zeit schweigen, um Jesus‘ Grabesruhe zu berücksichtigen.